Presseerklärung der Elternschaft

Zu den geplanten Umwälzungen und Kürzungen im schulischen Bildungsbereich des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat die Elternschaft der Hunsrück-Grundschule folgende Presseerklärung verfasst:

Widersprüchliche und kurzsichtige Berliner Schulpolitik

Prämiertes Leuchtturmprojekt an Kreuzberger Hunsrück-Grundschule soll kaputt gespart werden
Erfolgreicher Bildungsarbeit in sozialem Brennpunkt droht das Aus
Damit würden bereits geflossene Fördermittel ad absurdum geführt

Nach Planungen des Schul- und Sportamtes des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg soll die Kreuzberger Hunsrück-Grundschule künftig 150 Schüler mehr aufnehmen. Dies würde bedeuten, dass das bisherige Konzept dieser gebundenen Ganztagsschule, mit rhythmisiertem Unterrichts- und Freizeitangebot von 8 bis 16 Uhr und jahrgangsübergreifendem Lernen in den Klassen 1 bis 3 nicht mehr praktiziert werden könnte. Die Hunsrück-Grundschule gilt unter Bildungsforschern als ein vorbildliches Beispiel wie Ganztagsschule funktionieren kann. Rektoren und Lehrer aus ganz Deutschland interessieren sich für das Schul- und Raumkonzept. Jetzt aber will der Bezirk kurzfristig Kosten sparen auf Kosten unserer Kinder. Eltern und Lehrer protestieren darum gegen die Pläne des Schul- und Sportamtes.

  • Wir sind gegen das Zusammenpferchen von Kindern in der Schule!
  • Schüler brauchen Raum für Bildung und Entwicklung. Kinder sollen in ihren Schulen nicht aufbewahrt werden, sondern die Schule als Lebensraum begreifen!
  • Darum sind wir gegen das sukzessive Kaputtsparen eines erfolgreichen und zukunftsweisenden pädagogischen Konzepts mit Vorbildcharakter!
  • Vorausschauende Schulpolitik kann sich nicht über Kinder als „Stückkosten“ definieren!
  • Verantwortliche in Politik und Verwaltung sollten sich an pädagogischer Sinnhaftigkeit orientieren und nicht bloß die Geldkarte als Totschlagargument aus dem Ärmel ziehen!

Da die Pläne des Schul- und Sportamtes schon bald zur Abstimmung in die BVV eingebracht werden sollen, veranstalten die Eltern kurzfristig am Montag, den 13. April 2015, 17 Uhr, eine Podiumsdiskussion in der Aula der Hunsrück-Grundschule, bei der die Verantwortlichen aus der Politik Rede und Antwort stehen sollen. Das Motto: Kinder brauchen Räume.

Ihr Kommen zugesagt haben bereits der verantwortliche Bezirksstadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) und der Bildungsforscher Prof. Ludger Pesch von der FU. Angefragt sind Bildungssenatorin Sandra Scheres (SPD), ihr Staatssekretär Mark Rackles sowie Politiker der BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

ALLE MEDIENVERTRETER SIND HERZLICH EINGELADEN!

ÜBER EINE BERICHTERSTATTUNG WÜRDEN WIR UNS SEHR FREUEN!

ZAHLEN, FAKTEN, HINTERGRÜNDE

Zahlen

Statt der aktuellen drei Klassen pro Jahrgang, soll die Schule vier Klassen pro Jahrgang aufnehmen, die Hunsrück-Grundschule würde also vierzügig werden.

Derzeit gehen 463 Schüler in die Klassen 1 bis 6. Würden die Pläne umgesetzt, wären es 613, ein Zuwachs von rund 30 Prozent. Das pädagogische Konzept der Hunsrück-Grundschule (gebundene Ganztagsschule von 8 bis 16 Uhr mit rhythmisiertem Unterrichts- und Freizeitangebot in zwei miteinander verbundenen Räumen pro Klasse) könnte damit in Zukunft nicht mehr praktiziert werden.

Profil der Hunsrück-Grundschule

Die Hunsrück-Grundschule hat als gebundene Ganztagsschule mit einer durchgehenden Rhythmisierung der Klassen 1 bis 6 ein Alleinstellungsmerkmal in der Schullandschaft des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und darüber hinaus. Dieser Zustand fußt wesentlich auch auf den spezifischen räumlichen Bedingungen, die mit der Sanierung (bis 2004) geschaffen werden konnten.

Dem lag – und liegt – folgendes Raumprogramm zugrunde:

  • pro Klasse: ein Unterrichtsraum und ein Freizeitraum (direkt durch eine Tür miteinander verbunden)

Der «Raum als 3. Pädagoge» – und genau diesen Punkt griff die Hunsrück-Grundschule bereits vor Jahren auf – ist inzwischen ein feststehender Begriff in der Wissenschaft. Mit den jetzt vorliegenden Plänen würde der Bezirk hinter diese Erkenntnis wieder zurückfallen.

Die Hunsrück-Grundschule ist nach allen denkbaren Kriterien mit ihrem Profil erfolgreich: Sie hat eine hohe Gymnasialempfehlungsquote, äußerst wenige Gewaltvorfälle, sie wird überdurchschnittlich häufig von Eltern jenseits des Einzugsbereichs angefragt und verzeichnet eine repräsentative Kreuzberger Bevölkerungsmischung. Sie hat damit genau diejenigen bildungspolitischen Ziele in Kreuzberg eingelöst, für die sie geschaffen worden ist.

Preis und Würdigung

Die Hunsrück-Grundschule wurde frühzeitig nach ihrer Neuausrichtung und den damit einhergehenden Umbaumaßnahmen ausgezeichnet (Preisträger des Praxispreises 2006 im Wettbewerb „Mehr Zeit für Kinder – Schritte auf dem Weg zur Ganztagsgrundschule“ des Grundschulverbandes). Gerade wegen ihres Konzepts wurde die Hunsrück-Grundschule Anlaufpunkt für Landes- und Bundespolitiker. (Besuch der damaligen Ministerin für Bildung, Forschung und Technologie, Edelgard Bulmahn, am 8. Juni 2005; Besuch des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, und des damaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, am 22. Mai 2006). Sie wird regelmäßig von Lehrerkollegien aus ganz Deutschland besucht. Erst am 23. März 2015 informierte sich ein Lehrerteam aus Kassel vor Ort über das Konzept der Hunsrück-Grundschule.

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